Seine Sorge konnte ich durchaus nachvollziehen. Wenn er heute einen größeren Teil seines Einkommens für später zurücklegt, verzichtet er schließlich auf Geld, das er auch heute ausgeben könnte. Und niemand weiß, wie lange dieses „später“ tatsächlich dauern wird.
Also fragte ich ihn: „Und was ist, wenn genau das Gegenteil passiert?“
Was, wenn Sie nicht früher sterben als gedacht, sondern deutlich länger leben? Was, wenn Sie 90, 95 oder sogar 100 Jahre alt werden? Und was, wenn dann nicht am Ende Ihres Lebens noch Geld übrig ist, sondern am Ende Ihres Geldes noch Leben?
Genau diese zweite Seite der Rechnung wird bei der Altersvorsorge erstaunlich häufig unterschätzt.
Wir wissen nicht, wie alt wir einmal werden
Bei der eigenen Lebenserwartung orientieren wir uns häufig an Menschen aus unserem persönlichen Umfeld. Wie alt wurden meine Großeltern? Wie lange haben meine Eltern gelebt? Welche Erfahrungen habe ich mit älteren Menschen in meiner Familie gemacht? Für eine langfristige Finanzplanung ist das allerdings nur bedingt geeignet.
Ein Blick auf die Statistik zeigt, wie relevant ein langer Ruhestand inzwischen geworden ist:
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland im Jahr 2025 bei 83,6 Jahren für Frauen und 79,1 Jahren für Männer. Damit wurde für beide Geschlechter ein neuer Höchststand erreicht.
Noch interessanter für die Ruhestandsplanung ist allerdings eine andere Zahl: Wer das 65. Lebensjahr bereits erreicht hat, hat statistisch noch deutlich mehr Jahre vor sich.
Eine 65-jährige Frau konnte 2025 im Durchschnitt mit weiteren 21,2 Lebensjahren rechnen und damit mit einem durchschnittlich erreichbaren Alter von rund 86 Jahren. Bei einem 65-jährigen Mann waren es noch 18,2 Jahre, also durchschnittlich etwas mehr als 83 Jahre.
Und das sind lediglich Durchschnittswerte. Das bedeutet zwangsläufig: Ein Teil der Menschen wird deutlich älter.
Wer mit Mitte oder Ende 60 in den Ruhestand geht und 95 oder sogar 100 Jahre alt wird, muss möglicherweise 30 Jahre oder länger aus seinem Ruhestandseinkommen leben. Das ist keine kurze Phase. Das ist möglicherweise noch einmal ein erheblicher Teil des gesamten Erwachsenenlebens.
Und der langfristige Trend zeigt nach oben
Ein Blick zurück macht die Entwicklung noch deutlicher: Ende des 19. Jahrhunderts hatte ein 65-jähriger Mann statistisch noch rund 9,6 weitere Lebensjahre vor sich, eine 65-jährige Frau etwa 10 Jahre.
Nach der aktuellen Sterbetafel 2023/2025 sind daraus rund 18 Jahre bei Männern und 21,1 Jahre bei Frauen geworden. Die statistisch verbleibende Lebenszeit ab 65 hat sich damit innerhalb von rund 150 Jahren bei beiden Geschlechtern ungefähr verdoppelt.
Natürlich lässt sich diese Entwicklung nicht einfach linear in die Zukunft fortschreiben. Doch auch das Statistische Bundesamt berücksichtigt in seinen langfristigen Bevölkerungsvorausberechnungen Szenarien, in denen die Lebenserwartung weiter steigt. Medizinischer Fortschritt, Lebensweise, individuelle Gesundheit und viele weitere Faktoren können dazu führen, dass der eigene Ruhestand wesentlich länger dauert, als heute angenommen.
Für die persönliche Finanzplanung bedeutet das vor allem: Es wäre riskant, die eigene Altersvorsorge nur auf einen durchschnittlichen Ruhestand auszurichten.
Das unterschätzte Risiko heißt Langlebigkeit
In der Ruhestandsplanung gibt es dafür einen eigenen Begriff: Langlebigkeitsrisiko. Gemeint ist damit vereinfacht das finanzielle Risiko, länger zu leben, als das eigene Vermögen reicht. Und genau dieses Risiko finde ich persönlich besonders relevant.
Natürlich möchte auch ich mein Leben heute genießen. Ich möchte reisen, schöne Dinge erleben und nicht jeden verfügbaren Euro ausschließlich für einen weit entfernten Ruhestand zurücklegen.
Gleichzeitig möchte ich aber auch nicht mit 90 feststellen:
🚨 Ich bin noch da. Mein Geld leider nicht.
Für mich ist deshalb das Szenario, bei dem am Ende des Geldes noch sehr viel Leben übrig ist, problematischer als die Vorstellung, am Ende meines Lebens noch Vermögen zu besitzen.
Altersvorsorge bedeutet nicht, möglichst viel zu sparen
Daraus folgt allerdings nicht, dass jeder verfügbare Euro in die Altersvorsorge fließen sollte. Das wäre für mich genauso wenig eine gute Finanzplanung. Denn finanzielle Planung soll zwei Lebensphasen miteinander verbinden: das Leben heute und das Leben morgen.
Wer ausschließlich für später spart und dabei jahrzehntelang auf Lebensqualität verzichtet, hat aus meiner Sicht genauso wenig die richtige Balance gefunden wie jemand, der/die ausschließlich im Heute lebt und die Zukunft vollständig ausblendet.
Die entscheidende Frage lautet deshalb:
➡️ Wie viel kann ich heute für meine Zukunft zurücklegen und gleichzeitig eine angemessene Lebensqualität genießen?
Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Aber es gibt Möglichkeiten, sie zu berechnen.
Wie lässt sich ein sehr langer Ruhestand planen?
Eine gute Ruhestandsplanung arbeitet nicht mit einem einzigen perfekten Szenario. Sie betrachtet unterschiedliche Entwicklungen.
1️⃣ Den gewünschten Lebensstandard bestimmen
Wie viel Geld möchten Sie im Ruhestand monatlich zur Verfügung haben? Dabei sollten nicht nur die heutigen Lebenshaltungskosten berücksichtigt werden, sondern auch Wünsche wie Reisen, Hobbys oder größere Anschaffungen.
2️⃣ Die voraussichtlichen Einkünfte gegenüberstellen
Gesetzliche Rente, betriebliche und private Altersvorsorge, Kapitalvermögen, Immobilien oder weitere Einkommensquellen ergeben gemeinsam das spätere Ruhestandseinkommen. Erst dadurch wird sichtbar, ob eine Versorgungslücke besteht.
3️⃣ Inflation berücksichtigen
2.500 Euro monatlich haben in 20 oder 30 Jahren nicht dieselbe Kaufkraft wie heute. Deshalb reicht es nicht, ausschließlich mit heutigen Beträgen zu rechnen.
4️⃣ Unterschiedliche Lebensdauern durchspielen
Was passiert mit der Planung, wenn Sie 85 werden? Was passiert mit 95? Und wie verändert sich das Ergebnis, wenn Sie Ihren 100. Geburtstag feiern? Solche Szenarien machen sichtbar, wie robust die eigene Ruhestandsplanung tatsächlich ist.
5️⃣ Eine passende Entnahmestrategie entwickeln
Vermögen aufzubauen ist nur die erste Hälfte der Altersvorsorge. Später muss entschieden werden, wie daraus zuverlässig Liquidität entsteht. Welche Vermögensbausteine werden wann genutzt? Welche Einnahmen laufen lebenslang? Wie viel Kapital darf jährlich entnommen werden? Genau deshalb gehören Anspar- und Entnahmephase für mich immer zusammen.
Und was passiert, wenn tatsächlich Vermögen übrig bleibt?
Auch diese Frage gehört zur Planung. Denn verbleibendes Vermögen ist nicht automatisch „umsonst gespart“. Vielleicht möchten Sie Ihren Kindern oder Enkelkindern etwas hinterlassen. Vielleicht möchten Sie zu Lebzeiten Vermögen übertragen. Vielleicht gibt es Menschen oder Organisationen, die Ihnen wichtig sind.
Oder vielleicht schafft Ihnen gerade die vorhandene Reserve in Ihren letzten Lebensjahrzehnten die Sicherheit, Entscheidungen treffen zu können, ohne ständig überprüfen zu müssen, ob das Geld noch reicht.
Auch Sicherheit besitzt einen Wert, selbst dann, wenn sie am Ende nicht vollständig benötigt wurde.
Altersvorsorge soll Freiheit schaffen – keine Angst
Deshalb gefällt mir die Vorstellung nicht, Altersvorsorge ausschließlich als Verzicht für eine ungewisse Zukunft zu betrachten. Für mich ist sie vielmehr ein Sicherheitsnetz. Sie soll mir ermöglichen, auch mit 75, 85 oder 95 möglichst selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen.
❓Wo möchte ich wohnen?
❓Wie möchte ich leben?
❓Was möchte ich mir leisten können?
❓Und wie abhängig möchte ich dabei von anderen Menschen sein?
Genau dafür baue ich heute Vermögen auf. Nicht, weil ich weiß, wie alt ich werde. Sondern gerade, weil ich es nicht weiß.
Fazit: Planen Sie für das Leben, nicht für einen Todestag
Niemand kann heute zuverlässig wissen, wie viele Jahre Ruhestand vor ihm/ihr liegen. Deshalb halte ich wenig davon, die eigene Altersvorsorge an einer möglichst präzisen Lebenserwartung auszurichten und das Vermögen gedanklich bis zum letzten Euro aufzubrauchen.
Eine gute Ruhestandsplanung braucht Spielraum.
➡️ Für Inflation.
➡️ Für unerwartete Ausgaben.
➡️ Für Veränderungen im Leben.
➡️ Und eben auch für die Möglichkeit, sehr alt zu werden.
Gleichzeitig sollte sie genügend Freiheit lassen, das Leben heute zu genießen. Denn gute Altersvorsorge bedeutet für mich nicht, möglichst viel Geld für später zurückzulegen. Sie bedeutet, eine Balance zu schaffen, mit der heutige Lebensqualität und zukünftige finanzielle Unabhängigkeit gleichzeitig möglich werden.
👉 Wenn Sie wissen möchten, ob Ihre bisherige Altersvorsorge auch für einen langen Ruhestand ausreicht, können wir im Rahmen einer individuellen Ruhestandsplanung verschiedene Szenarien durchspielen und daraus ableiten, wie viel Sie heute tatsächlich vorsorgen sollten.
Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Aber es gibt Möglichkeiten, sie zu berechnen.
Wie lässt sich ein sehr langer Ruhestand planen?
Eine gute Ruhestandsplanung arbeitet nicht mit einem einzigen perfekten Szenario. Sie betrachtet unterschiedliche Entwicklungen.
1️⃣ Den gewünschten Lebensstandard bestimmen
Wie viel Geld möchten Sie im Ruhestand monatlich zur Verfügung haben? Dabei sollten nicht nur die heutigen Lebenshaltungskosten berücksichtigt werden, sondern auch Wünsche wie Reisen, Hobbys oder größere Anschaffungen.
2️⃣ Die voraussichtlichen Einkünfte gegenüberstellen
Gesetzliche Rente, betriebliche und private Altersvorsorge, Kapitalvermögen, Immobilien oder weitere Einkommensquellen ergeben gemeinsam das spätere Ruhestandseinkommen. Erst dadurch wird sichtbar, ob eine Versorgungslücke besteht.
3️⃣ Inflation berücksichtigen
2.500 Euro monatlich haben in 20 oder 30 Jahren nicht dieselbe Kaufkraft wie heute. Deshalb reicht es nicht, ausschließlich mit heutigen Beträgen zu rechnen.
4️⃣ Unterschiedliche Lebensdauern durchspielen
Was passiert mit der Planung, wenn Sie 85 werden? Was passiert mit 95? Und wie verändert sich das Ergebnis, wenn Sie Ihren 100. Geburtstag feiern? Solche Szenarien machen sichtbar, wie robust die eigene Ruhestandsplanung tatsächlich ist.
5️⃣ Eine passende Entnahmestrategie entwickeln
Vermögen aufzubauen ist nur die erste Hälfte der Altersvorsorge. Später muss entschieden werden, wie daraus zuverlässig Liquidität entsteht. Welche Vermögensbausteine werden wann genutzt? Welche Einnahmen laufen lebenslang? Wie viel Kapital darf jährlich entnommen werden? Genau deshalb gehören Anspar- und Entnahmephase für mich immer zusammen.
Und was passiert, wenn tatsächlich Vermögen übrig bleibt?
Auch diese Frage gehört zur Planung. Denn verbleibendes Vermögen ist nicht automatisch „umsonst gespart“. Vielleicht möchten Sie Ihren Kindern oder Enkelkindern etwas hinterlassen. Vielleicht möchten Sie zu Lebzeiten Vermögen übertragen. Vielleicht gibt es Menschen oder Organisationen, die Ihnen wichtig sind.
Oder vielleicht schafft Ihnen gerade die vorhandene Reserve in Ihren letzten Lebensjahrzehnten die Sicherheit, Entscheidungen treffen zu können, ohne ständig überprüfen zu müssen, ob das Geld noch reicht.
Auch Sicherheit besitzt einen Wert, selbst dann, wenn sie am Ende nicht vollständig benötigt wurde.
Altersvorsorge soll Freiheit schaffen – keine Angst
Deshalb gefällt mir die Vorstellung nicht, Altersvorsorge ausschließlich als Verzicht für eine ungewisse Zukunft zu betrachten. Für mich ist sie vielmehr ein Sicherheitsnetz. Sie soll mir ermöglichen, auch mit 75, 85 oder 95 möglichst selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen.
❓Wo möchte ich wohnen?
❓Wie möchte ich leben?
❓Was möchte ich mir leisten können?
❓Und wie abhängig möchte ich dabei von anderen Menschen sein?
Genau dafür baue ich heute Vermögen auf. Nicht, weil ich weiß, wie alt ich werde. Sondern gerade, weil ich es nicht weiß.
Fazit: Planen Sie für das Leben, nicht für einen Todestag
Niemand kann heute zuverlässig wissen, wie viele Jahre Ruhestand vor ihm/ihr liegen. Deshalb halte ich wenig davon, die eigene Altersvorsorge an einer möglichst präzisen Lebenserwartung auszurichten und das Vermögen gedanklich bis zum letzten Euro aufzubrauchen.
Eine gute Ruhestandsplanung braucht Spielraum.
➡️ Für Inflation.
➡️ Für unerwartete Ausgaben.
➡️ Für Veränderungen im Leben.
➡️ Und eben auch für die Möglichkeit, sehr alt zu werden.
Gleichzeitig sollte sie genügend Freiheit lassen, das Leben heute zu genießen. Denn gute Altersvorsorge bedeutet für mich nicht, möglichst viel Geld für später zurückzulegen. Sie bedeutet, eine Balance zu schaffen, mit der heutige Lebensqualität und zukünftige finanzielle Unabhängigkeit gleichzeitig möglich werden.
👉 Wenn Sie wissen möchten, ob Ihre bisherige Altersvorsorge auch für einen langen Ruhestand ausreicht, können wir im Rahmen einer individuellen Ruhestandsplanung verschiedene Szenarien durchspielen und daraus ableiten, wie viel Sie heute tatsächlich vorsorgen sollten.